Der großartige Nelson Mandela sagte einmal: “Auch mit einer Umarmung kann man einen politischen Gegner bewegungsunfähig machen.” Er war es, der nach 27 Jahren in politischer Gefangenschaft und fast 90 Jahren Apartheid in Südafrika, das Land mit seinen vielen Bevölkerungsgruppen wieder versöhnte. Die meisten Südafrikaner verehren ihn dafür. Und man merkt, dass er ihnen bis heute Lebensmut schenkt.
Vielfalt statt Einfalt

Ich war mit meinem Freund zwei Wochen in Kapstadt und Umgebung, wir besuchten dort Freunde, die in den südlichsten Süden ausgewandert sind. Als wir das erste Mal in die Stadt hineinfuhren, dachte ich zuerst ‘Och, is eigentlich ganz überschaubar.’ Aber da uns die Lieben sofort zum Picknick auf einen Seitenhügel des Tafelbergs entführten, sah ich von oben die gigantische Weite, in die sich Kapstadt erstreckt.
In der Western Cape Province tummelt sich die halbe Welt. Dort leben – mittlerweile zum Glück friedlich mit- und nebeneinander – Weiße, Asiaten, Coloureds und Schwarze. Was mir sofort aufgefallen ist und ich so, ehrlich gesagt, nicht erwartet hätte: Die Menschen gehen sehr freundlich miteinander um. Wir haben uns so wohl gefühlt, dass wir sogar einen Tag im Township verbrachten. Auch dort begegneten uns nur lächelnde Gesichter. Keine brenzlige Situation, noch nicht mal ein böser Blick. Glück oder Tatsache? Ich fürchte, man lässt sich von den Warnungen zehntausend Kilometer weit entfernt manchmal ziemlich verrückt machen.
Die Vielfalt der südafrikanischen Bevölkerung findet sich auch in der Sprache wieder. Gesprochen wird Englisch, Afrikaans, das aus dem Niederländischen stammt und die holländischen Besiedler etablierten, und Xhosa, das ganz eigentümlich geschnalzt wird. Wie gerne hätte ich wenigstens ein Wort dieser Sprache gelernt, aber es ist mir leider nicht gelungen; meine Zunge ist talentfrei für die Schnalz-Laute.
Dafür durfte sie anderes Neues kennenlernen: Die südafrikanische Küche! Wie passend, dass über Kapstadts höchstem Berg stets seidige Schäfchenwolken hängen, weshalb er tatsächlich wie eine gedeckte Tischtafel aussieht. Bei dem Bild war ich natürlich sofort in meinem Element.
Südafrikanische Schmankerl: Breakfast, Springbok and Braai

Schlemmen, schlemmen, schlemmen stand neben der Landeserkundung die folgenden Tage auf dem Plan. Die südafrikanischen Gerichte erinnerten oft an die britischen, mit einer ganz klaren Ausnahme: Es gab bestes Frühstück. Als Fan vom Frühstück habe ich selten in einem Land, außer in meinem eigenen, so gut, abwechslungsreich und gesund morgens gegessen wie in Südafrika.
Bereits am zweiten Tag zeigten uns unsere Freunde das Sidewalk Café. Es war wie Liebe auf den ersten Blick. Klein und schlicht, von den Deckeln baumelten ein paar Papierherzen, an den Wänden klebte “I love my hood”, das Publikum war gemütlich und entspannt, das Personal locker und aufmerksam und das Essen … mmmhhhh. Neben leckeren Sandwiches mit Humus, Avocado und Salat, gab es dort so ausgefallene Konstellationen wie pochierte Eier mit Lachs, Spinat und Sauce Hollandaise auf einem gerösteten Croissant. Klingt gewöhnungsbedürftig, war aber der Hammer. Dazu bestellten wir immer einen frisch gepressten Saft, der uns so angefixt hat, dass unsere erste Amtshandlung zurück in Deutschland die Bestellung eines Entsafters war.

Abends frönten wir der Völlerei dann noch ausgiebiger. Wir waren klassisch afrikanisch und marokkanisch essen, haben riesige frische Burger in einer Garage versucht in unseren Mund zu geleiten, ohne uns dabei den Kiefer auszurenken und waren grillen, was man in Südafrika Braai nennt. Und so lang wie sich das Wort zieht, so lang ist auch der Vorgang an sich. Zum Braai nimmt man sich viel Zeeiit. Mit knurrendem Magen sollte man da nicht aufschlagen und seine innere deutsche Unruhe kann man gleich am Flughafen an die Garderobe hängen. Alles funktioniert am Kap etwas entschleunigter und ich stellte fest, wie innerlich getrieben ich sonst meinen Alltag bestreite. Völlig irre kam ich mir auf einmal vor.
Jedenfalls habe ich neben innerer Ruhe in Südafrika seit langem mal wieder richtig Appetit auf Fleisch bekommen. Bin ja sonst eher so ein inkonsequenter Vegetarier beziehungsweise eine mäkelige Fleischesserin. Also nix Halbes und nix Ganzes. Aber da es in Südafrika weniger Tiere aus Nutztierhaltung und mehr Wild, wie Springbock, Kudu und Strauß gibt, war es für mich eine äußerst schmackhafte Angelegenheit. Einen Vegetarier wird es nicht vom Hocker reißen, aber man hat dem südafrikanischen Fleisch quasi angeschmeckt, dass die Tiere frei gelebt haben. Die typische Beilage dazu ist Maisbrei, auch Pap genannt.
Wie in fast jeder Lebenssituation in Südafrika, merkt man auch beim Essen den Einfluss der vielen verschiedenen Kulturen. Es gab deutsche Bäcker, ja sogar ein Paulaner Bräuhaus, viele indische und malaysische Restaurants, amerikanisches Fast Food, britische Puddings und Cheese Cakes. Alles in allem eine sehr vielseite und abwechslungsreiche Küche. Zum Nachkochen findet ihr hier Rezepte aus Südafrika.
Geschlürft haben wir am liebsten natürlich guten südafrikanischen Wein. Der holländische Besiedler Jan van Riebeeck baute ihn bereits im 17. Jahrhundert in Südafrika an. Seither wächst und gedeiht er bestens in dem maritimen Klima. Außerdem mögen die Südafrikaner Cider und Cola mit Brandy.
Seit zwei Wochen sind wir zurück in Deutschland und ich hospitiere nun für einige Wochen in einer Lokalredaktion in Magdeburg. Ich bin also buchstäblich eiskalt in der Realität gelandet mit allem, was dazu gehört: Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Mehr zu meiner postafrikanischen Anti-Erkältungs-Ernährung beim nächsten Mal. Hatschi!
Share on Facebook